Projektgruppe ZwangsarbeitProjektgruppe Zwangsarbeit

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Franz Pfeffer

Tuesday, 16-03-10 16:30

Liebe Gäste der Ausstellung und des Gästebuches!

Die Ausstellung in der Hüttenschänke hat meine Einstellung zur Person von Friedrich Flick und zur Ehrung dieser Person nicht verändert - Gott sei Dank! Was sich geändert hat, ist die Breite und die Tiefe meiner Argumente, warum für einen solchen Verbrecher kein ehrendes Gedenken ohne Schande möglich ist. Wer sich gegen die Benennung einer Straße nach Flick ausspricht, bekommt, wenn überhaupt eine Reaktion kommt, folgendes zu hören: Natürlich war das ein Kriegsverbrecher, aber er hat seine Taten büßen müssen und später für das Städtedreieck viel Gutes getan.
Meine tiefste persönliche Überzeugung war und ist, dass niemand, der solche Verbrechen begangen hat, der sich am tausendfachen Leiden schamlos bereichert hat, jemals wieder und durch keine Buße in den Kreis der anständigen Menschen aufgenommen werden kann. Aber siehe da: Flick hat ja nicht einmal Buße getan. Und seine guten Taten nach dem Krieg entpuppen sich als berechnende Werbestrategie und reihen sich ein in die anderen Methoden, den Gewinn zu maximieren. Ganze Städte und ganze Belegschaften als Spielgeld, die man kauft und verkauft, wie es der Markt gerade ergibt. Das lässt vom Wohltäter Flick nichts mehr übrig. Es bleibt trotzdem nur die stille Hoffnung, dass die Ausstellung, die Vorträge, Diskussionen, Gespräche und Leserbriefe quer durch die Politik und quer durch die Generationen ein paar Augen geöffnet haben. Alle Arbeiter zu allen Zeiten, alle Spenden und Geschenke waren in der Maxhütte nur Mittel zu immer dem selben Zweck: Geld zu scheffeln in unermesslichem Ausmaß.
Was kann man tun, wenn die Ausstellung schließt? Diese Frage kann uns niemand beantworten, das können wir nur selbst.

Wer Verbrecher ehrt, verhöhnt ihre Opfer!

 

Edith Heimann aus Maxhütte-Haidhof

Monday, 15-03-10 20:17

Wir haben als Bezirksvorstand Oberpfalz der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus am Montag, 08. März 2010 die Ausstellung "Städtedreieck unterm Hakenkreuz", Zwangsarbeit im ländlichen Raum in Maxhütte-Haidhof in der "Hüttenschänke" besucht.

Die meisten von uns haben damit zum ersten Mal eine Ausstellung zum Thema Zwangsarbeit in Deutschland gesehen. Wir waren von der Ausstellung selbst sehr beeindruckt. Die deutliche und klare Darstelllung von Elend und Verbrechen beim grausamen und rücksichtslosen Vollzug der zur Zwangsarbeit gezwungenen Fremdarbeiter hat uns erschüttert. Was wir in Bild und Text in der Ausstellung gesehen haben ist für uns nichts anderes als die gleiche unmenschliche Behandlung, wie sie an den KZ-Häftlingen begonnen wurden. D.h. die Zwangsarbeiter waren nichts anderes als KZ-Häftlinge im offenen Vollzug. Dies, aber auch der politische Hintergrund und Zusammenhang kommen bei der Ausstellung in besonderer Weise zum Ausdruck. Eine wirklich gelungene Ausstellung.

Die Ausstellung ist auch umso wichtiger,weil das Thema "Zwangsarbeit" in der öffentlichen und politischen Aufarbeitung der Naziverbrechen leider oft nur eine untergeordnete Rolle spielt. Oft herrscht die Meinung vor, die Zwangsarbeiter waren zwar gegen ihren Willen nach Deutschland verschleppt,verrichteten aber ansonsten hier "nur" ihre Arbeit, wenn auch eine sehr harte Arbeit, um die Kriegswirtschaft zu erhalten. Die rücksichtslose Behandlung durch die staatlichen Organe vor Ort,auch oft der Willkür der derjenigen ausgesetzt, bei denen sie ihre Sklavenarbeit leisten mussten und die menschenunwürdige Unterbringung und das Leiden an Unterernährung werden oft vergessen, oder auch verschwiegen , oder nicht wahrgenommen, oder auch verdrängt. So auch im Fall von Friedrich Flick, der in seinem Unternehmen zehntausende von Zwangsarbeitern ausbeutete und dadurch obendrein noch seinen Reichtum mehrte, von dem er auch noch nach dem Krieg gut Leben konnte. Auch als Gönner und wichtiger Arbeitgeber im Städtedreieck Maxhütte-Haidhof, Teublitz, Burglengenfeld, wo ihm bis heute noch Strassen gewidmet sind, weil er mit dem Eisenwerk "Maxhütte" vielen Arbeit und Brot brachte.

Die Ausstellung macht daher mit den 70 neu erstellten Tafeln beim lokalen Bezug Städtedreieck Maxhütte.Teublitz-Burglengenfeld, gerade den Fall Flick deutlich als das was er in Wirklichkeit war,nämlich ein Kriegsverbrecher und das Gegenteil eines Wohltäters. Daher ist diese von der "Projektgruppe Zwangsarbeit" erstellte Ausstellung ,in der Stadt Maxhütte-Haidhof richtig platziert und wichtig.

 

Willi Rester aus Maxhütte-Haidhof

Monday, 15-03-10 18:06

"Auch wir mußten 12 Stunden arbeiten..."

war am Rande jener Diskussion im Gasthof Burgblick geäußert worden. Mal davon abgesehen, daß es ein freier Maxhütten-Arbeiter nach seiner Schicht freistand, ob er nach Hause zu seiner Frau unter die Bettdecke schlüpfte oder seinen Lohn in der Hüttenschänke vertrank - im Gegensatz zum Zwangsarbeiter hatte er nämlich reelen Lohn in der Tasche. Das Prozedere, wie die Zwangsarbeiter um ihren Lohn betrogen wurden, ist nachfolgend beschrieben. Sind einige Zeilen, aber eben auch hochinteressant.

Das Prozedere „Löhne für Zwangsarbeiter im Dritten Reich“

zusammengestellt aus „Hitlers Wohlfahrtsstaat“ von Götz Aly, S. 181 -190
S.Fischer-Verlag, Büchergilde Gutenberg, ISBN 3-7632-5605-9

Die Löhne west- und südeuropäischer Zwangsarbeiter wurden von den Firmen auf ein Sammelkonto der Deutschen Bank überwiesen. Von dort ging es an ein „Lohnersparniskonto“ der Deutschen Verrechnungskasse. Von dort wurden die Lohnsummen aber nicht an das besetzte Land überwiesen, sondern eingefroren, sprich für den Haushalt des Deutschen Reiches verwandt. Die Überweisungsunterlagen an die Deutsche Bank bildeten die Grundlage für die Überweisungen der Banken des jeweiligen besetzten Landes an die Familien der Zwangsarbeiter in Landeswährung. Aufgrund der Besatzungskosten waren die Währungen der besetzten Länder aber ruiniert (hohe Inflation). Fiskalisch schuldete das Deutsch Reich dem besetzten Land diese Lohnsummen. Sie wären im Falle einer finanziellen Abrechnung nach Kriegsende mit angeblichen Besatzungskosten verrechnet worden.

Für die west- und südeuropäischer Zwangsarbeiter bedeutete dies praktisch, daß sie keinen Lohn erhielten, während ihre Familien diesen Lohn in inflationärer Landeswährung erhielten.

Bei polnischen und sowjetischen Zwangsarbeitern wurde härter verfahren. Der Besitz eines Zwangsarbeiters wurde bei seiner Deportation verkauft bzw beschlagnahmt. Der Erlös wurde auf ein „Sperrkonto“ der Reichskasse einbezahlt. Formell sollte der Zwangsarbeiter nach seiner Rückkehr das Geld vom Sperrkonto zurückbekommen, tatsächlich wanderte es sofort in die Kriegskasse des Deutschen Reiches.

Die Betriebe in Deutschland mußten für die Zwangsarbeiter Tariflohn zahlen, der an die Reichskasse zu überweisen war. Dieser Lohn wurde versteuert und versichert, wobei die Zwangsarbeiter aber keine Leistungen aus der Sozialversicherung erhielten. Auch mußten z.B. Polen eine Sozialausgleichsabgabe zahlen. Insgesamt wurden 45% des Lohnes abgezogen (einem arischen Arbeiter im Vergleich lediglich13%). Dieser restliche Lohn wurde auf ein Sammelkonto des Deutschen Reiches überwiesen, sprich unter den Nagel gerissen. Die Familien der Zwangsarbeiter erhielten in inflationärer Landeswährung die Löhne von der Regierung des besetzten Staates.

Die unterschlagenen Lohnanteile brachtem dem Deutschen Reich bis 1945 ca. 13 Mrd RM ein (entspricht heutigem Geld ca. 65 Mrd Euro ).

Von `42-`45 hatten dt. Sozialkassen ersparte Ausgaben von ca. 2 Mrd. RM wg. Sozialabgaben von Zwangsarbeitern und Ermordung von (jüdischen) Anspruchsberechtigten.
Von `40 bis 3/45 wurde ¼ des Lohsteueraufkommens (=6,5 Mrd. RM) von Zwangsarbeitern gezahlt.



Spätestens jetzt müßte doch jedem Gewerkschafter und Sozialdemokraten die Augen tränen, die sich im Deutschland des 21. Jahrhunderts so vehement gegen Lohnraub und Sozialabbau wehren. De facto wurden 100.000 von Arbeitern um ihren Lohn betrogen, ohne eine Chance, diesen zeitnah einfordern zu können.

 

Willi Rester aus Maxhütte-Haidhof

Monday, 15-03-10 17:52

Hat Flick nur getan, was alle anderen getan haben?

Dieser Aussage kann entschieden widersprochen werden. Flick nutze die sich bietenden Möglichkeiten des 3. Reiches konsequent und rücksichtslos aus, um Profit zu machen. Damit verhielt er sich ausdrücklich nicht wie alle anderen, er war einfach schlimm.
Zwar bedurfte es in der Zeit der Nationalsozialistischen Diktatur ein hohes Maß an Mut und Umsicht, um Widerstand zu leisten. Doch war dies eben möglich. Als Beispiel sei hier aufgeführt Robert Bosch, damals und heute kein unbedeutendes Wirtschaftsunternehmen:

zitiert aus Wikipedia:
Robert Bosch
…. Viel Energie und hohe finanzielle Mittel investierte er in die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Davon erhoffte er sich einen dauerhaften Frieden in Europa und die Schaffung eines europäischen Wirtschaftsraumes ohne Zollschranken.
Das nationalsozialistische Regime in Deutschland setzte diesen Bemühungen Boschs ein rasches Ende. Bald übernahm das Unternehmen auch Rüstungsaufträge und beschäftigte während des Krieges Zwangsarbeiter. Gleichzeitig aber unterstützte Robert Bosch aktiv den Widerstand gegen Adolf Hitler. Seine Verbindung zu Carl Goerdeler und den Männern des 20. Juli 1944 wurde glücklicherweise nicht entdeckt. Er rettete mit seinen engsten Mitarbeitern Juden und andere Verfolgte des Nationalsozialismus vor der Deportation.

Carl Friedrich Goerdeler
gehörte zu den führenden zivilen Köpfen der Widerstandsbewegung und sollte nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, an dessen Planung er maßgeblich beteiligt war, das Amt des Reichskanzlers übernehmen. Goerdeler war von 1930 bis 1937 Oberbürgermeister von Leipzig. Der Verwaltungsfachmann war in den 1920er Jahren mehrfach als Reichskanzler im Gespräch, bevor er 1931/1932 und 1934/1935 das Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung innehatte.
Zitat Ende.

Nachfolgendes zitiert aus: Carl Goerdeler und sein Weg in den Widerstand
von Marianne Meyer-Krahmer (der Tochter Goerdelers)
Herder Taschenbuch, ISBN3-451-08553-4, Ausgabe 1989

S. 95: ...sicherte ab Juni (1937) ein Beratervertrag mit Robert Bosch unseren Lebensunterhalt...
S. 96: ...den Fond für das aufwändige Reiseprogramm, das mein Vater aus eigenen Mitteln nicht hätte finanzieren können, stellte Friedrich Krupp zur Verfügung
S136/137 hier wird in 36 Zeilen beschrieben, inwieweit Bosch von der konspirativen Tätigkeit Goerdelers gewußt hatte.
S. 145: … Außer den Bosch-Leuten in Stuttgart gehörten dazu....wichtige Industrielle ( Wittke / Dillinger Hütte, Reusch / Gute Hoffnungshütte, Walter Cramer / Fa. Stöhr)....

 

Matthias Haberl aus Teublitz

Monday, 15-03-10 16:10

Die Unterstützung der Ausstellung "Städtedreieck unterm Hakenkreuz - NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum" ist mir als Geschichtslehrer, Sprecher des Historischen Arbeitskreises für Teublitz und seine Ortsteile und als Teublitzer Stadtrat eine Herzensangelegenheit. Einige Beiträge zur Diskussion um die Flick-Straßen in Teublitz und Maxhütte-Haidhof, die leider viel Unwissenheit über den Nationalsozialismus und den Einsatz von Zwangsarbeitern in unserer Region verrieten, haben mich erschüttert. Aus diesem Grund hoffe ich, dass diese Ausstellung zu einem Mehr an Wissen über dieses dunkle Kapitel der Geschichte in unserer Region beitragen wird, und freue mich über den guten Besuch.

Zu einer Versachlichung der Diskussion konnte bestimmt der Vortrag "Friedrich Flick, die Maxhütte und das Dritte Reich" von Dr. Schanetzky in Teublitz beitragen, der Person und Rolle Flicks sehr fundiert und detailliert darstellte.

Tief beeindruckt hat mich der Film "Das Heimweh des Walerjan Wróbel" mit dem Vortrag des Autors Prof. Dr. Schminck-Gustavus am vergangenen Sonntag in Maxhütte-Haidhof. Hier wurde die Grausamkeit und Perfidität des Nationalsozialismus und die ausweglose Lage des jungen Zwangsarbeiters Walerjan spürbar.

Ich wünsche der Ausstellung in den verbleibenden zwei Wochen und hoffentlich auch darüber hinaus noch viel Erfolg!