Projektgruppe ZwangsarbeitProjektgruppe Zwangsarbeit

Wenn das Wirkliche, das Nahe, das Alltägliche in Form von Namen, Gesichtern und Geschichten Teil einer Rückschau ist, wird die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu einer emotionalen, zu einer beeindruckenden Erfahrung.

Unter diesem Leitsatz steht das bundesweite Ausstellungskonzept der Projektgruppe. Es soll speziell in kleineren Städten und Gemeinden politische Aufklärungs- und Bildungsarbeit zum Thema NS-Zwangsarbeit leisten, die gerade im ländlichen Raum vielerorts noch nicht erbracht wurde. Der Verein stellt hierfür ein Basismodul der Ausstellung zur Verfügung, das die Dimension und die Motivation dieses Verbrechens verdeutlicht. Zudem unterstützen Historiker des Vereins vor Ort die wissenschaftliche Erarbeitung des regionalen Ausstellungsteils. Durch die individuellen, auf den Ausstellungsort bezogenen Details erreicht die Schau eine Unmittelbarkeit und Tiefe, die einen direkten und nachhaltigen Zugang zu den Inhalten erst ermöglicht.

Der allgemeine Ausstellungsteil (Basismodul) präsentiert Auszüge aus der internationalen Wanderausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Sie wurde im September 2010 im Jüdischen Museum Berlin eröffnet und ist seitdem in Metropolen weltweit  als „Stand“ der Forschung zu diesem Thema zu sehen. Das Basismodul schafft die Grundlage dafür, dass der zweite, ortsbezogene Teil der Schau historisch eingeordnet werden kann.

Der zweite Part der Ausstellung (Regionalteil) soll gemeinsam mit lokalen Historikern, engagierten Bürgern, Schülern und Stadt-Archivaren neu erarbeitet werden. Ziel ist es, einschlägige Dokumente aus den Archiven zu bergen, die Erinnerungen von Zeitzeugen für künftige Generationen zu sichern und dabei die Bürger vor Ort – auch durch begleitende Schülerprojekte – direkt in die Aufarbeitung der regionalen Zwangsarbeiter-Geschichte und in den Entstehungsprozess der Ausstellung einzubeziehen. Die Projektgruppe steht hierbei beratend und koordinierend zur Seite. Sie sucht u. a. über ihre Partnerorganisationen in Polen, Tschechien, der Ukraine und Russland nach Zeitzeugen, die vor Ort als Zwangsarbeiter eingesetzt waren, sie übernimmt die wissenschaftliche Auswertung der Archive und die professionelle Umsetzung der Rechercheergebnisse in der Ausstellung. Der Historiker-Beirat des Vereins nimmt die Inhalte wissenschaftlich ab.

Die Gesamtausstellung umfasst – je nach Umfang des regionalspezifischen Ausstellungsteils – zwischen 30 und 70 Schautafeln und gegebenenfalls einige Videostationen. Mit ihrer flexiblen Bauweise ist sie bewusst für relativ kleine Räume konzipiert (z. B. das Foyer des Rathauses oder die Aula einer Schule).

Das Ausstellungskonzept hebt sich durch seine inhaltliche Direktheit und formal schlichte Präsentation ganz bewusst von stylisch-urbanen Kulturhappenings ab. Die Schau soll ein Angebot sein, ein gesichertes Fundament bilden, das motiviert, sich vor Ort dieser Aufklärungsarbeit anzunehmen.

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Detail der Ausstellung in Sulzbach-Rosenberg, 2012. [Projektgruppe „Zwangsarbeit“]

Zwangsarbeiterinnen in Oberroth (Bayern), undatiert. [Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“]

Allgemeiner Ausstellungsteil zur NS-Zwangsarbeit. [Projektgruppe „Zwangsarbeit“]

Teil des Regionalparts der Schau in Sulzbach-Rosenberg, 2012. [Projektgruppe „Zwangsarbeit“]